Ein 30-jähriger Rückschlag für den internationalen Tourismus
Der Einbruch des internationalen Reiseverkehrs um 72 % im Jahr 2020 bedeutete 1,1 Milliarden weniger internationale Touristen weltweit und warf die Reisezahlen auf das Niveau von vor 30 Jahren zurück.
2021 verzeichnete der internationale Tourismus einen Anstieg von 5 %, mit 22 Millionen mehr internationalen Touristenankünften gegenüber 2020. Die internationalen Ankünfte lagen aber weiterhin 71 % unter dem Vor-Pandemie-Jahr 2019.
In einem im Mai veröffentlichten Bericht hat die Welttourismusorganisation zwei Szenarien vorgestellt, wonach die internationalen Ankünfte 2022 je nach Entwicklung der Umstände, sich ändernden Reisebeschränkungen sowie wachsenden wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen 55 bis 70 % des Vor-Pandemie-Niveaus erreichen könnten.

Quelle: Welttourismusorganisation (UNWTO)
Eine ungleichmässige Erholung
Laut Daten von Januar bis Mai 2022 liegen die Flughafenankünfte noch bei nur 46 % gegenüber demselben Zeitraum 2019. Das zeigt, dass sich die Reisebranche nur langsam erholt und noch ein weiter Weg bis zur vollständigen Erholung auf Vor-Pandemie-Niveau bevorsteht. Die Erholungsrate unterscheidet sich allerdings stark je nach Region.
In Europa ist die Erholungsrate am höchsten, mit Ankünften bei 64 % gegenüber 2019. Das lässt sich auf die Bemühungen der EU zurückführen, Reisebeschränkungen zu lockern und Impfkampagnen voranzutreiben, was das Vertrauen der Reisenden gestärkt hat. Amerika folgt knapp dahinter mit einer Erholungsrate von 60 %, was auf die erfolgreichen Impfkampagnen in Ländern wie den USA, Kanada und Mexiko zurückzuführen ist.
In Afrika liegt die Erholungsrate demgegenüber bei 50 %, im Nahen Osten nur bei 46 %. Das lässt sich auf die langsamen Impfraten in diesen Regionen zurückführen, sowie auf anhaltende politische und wirtschaftliche Instabilität in einigen Gebieten. In der Asien-Pazifik-Region liegt die Erholungsrate bei nur 10 %, dem niedrigsten Wert aller Regionen, vor allem wegen der strikten COVID-19-Massnahmen und Lockdowns in Ländern wie China, Japan, Hongkong, Malaysia, der Mongolei und Taiwan.
Die ungleichmässige Erholung des Reiseverkehrs hat erhebliche Auswirkungen auf die Reisebranche und die Weltwirtschaft. Länder, die stark auf Tourismus als Einnahmequelle angewiesen sind, etwa in der Asien-Pazifik-Region, dürften die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie länger zu spüren bekommen. Länder, denen es gelungen ist, ihre Grenzen wieder zu öffnen und Touristen anzuziehen, erholen sich hingegen voraussichtlich schneller.

